Hist. Romane - Alle Bücher - Autor - Verlag und Bestellung - Hintergründe - Rezensionen - Zurück

2016 Einbandgestaltung
     und Foto: Stefan Jahnke

 

Leseprobe - Geheimbibliothek - Heinrich von Bünau und die Teufelsbibeln von Dikrin

 

Kapitel 1 - Nur ein Buch   (Auszug)

"Nun wartet doch bitte einmal, werter Herr… ich habe sicher auch noch etwas, was Euch begeistert. Kommt, seht in den hinteren Raum. Bitte… ich weiß, was Ihr sucht!"
Ich kenne diese schleimigen Händler. Man kann ihnen nicht über den Weg trauen. Und dabei betrügen sie einen an jeder nur denkbaren Stelle. Neulich erst kaufte ich von einem ein Buch, den mir dieser hier empfohlen hatte, das nun wirklich schon viele Jahre auf dem Buckel, wohl eher auf dem Rücken haben sollte. Eines der Ersten, was noch in Gutenbergs Werkstätten höchstpersönlich vom Meister und Erfinder des Druckes begutachtet und vervollständigt worden sein sollte. Und was stellte ich dann fest, als ich es einem Freund vorlegte? Na ja, es war eben nur ein Buch.
Wie die das hinbekommen? Kaufen die extra billigen Tand, um ihn dann teuer zu verkaufen? Dann müssten sich ja viele neben ihnen auch auf dieses Gewerbe gelegt haben und fertigen gerade solche Fälschungen an, plumpe noch dazu.
Und ich… falle immer wieder darauf herein.
Nein, in diesem Fall konnte ich nicht anders. Ich musste zu dem Händler, ihm sagen, was ich von ihm und seinen Freunden halte. Und dabei lachte er mich auch noch zu Beginn aus. Ich hätte ja den Verstand verloren. Niemand in seiner guten Gegend würde mit Fälschungen… na ja, das Übliche.
Ich schaue hinüber zum Tower. Ein einzigartiges Gebäude hier mitten in der königlichen Stadt. Niemand könnte vermuten, dass man sich da auch noch auf… na ja… aber die guten Buchhändler sollen in Paris sitzen. Da kann man an der Seine manche Entdeckung machen. Und wenn ich mich eile, werde ich noch ein paar Tage dort verbringen, ehe ich nach Aachen muss, um von da zum Kayser nach Berlin… ob er da auf mich wartet? Seinen Reichsgrafen wird er schon in den wenigen Wochen nicht gleich vergessen haben. Ansonsten… meine Passion verlacht er, stellt sich lieber solche große Schalen hin, die zwar aus purem Gold, aber eben plump sind. Was liebe ich nicht eher die feinen Preziosen, die ich in Dresden sehen durfte… und all dies ist doch kein Vergleich zu einem Buch. Das kann man in der Hand halten, es sich beschauen und, zumindest wenn man der darin verwandten Sprache mächtig ist, man kann es auch lesen, Wissen daraus schöpfen und es immer wieder lesen. Selbst, wenn der Kopf es nicht mehr alles fassen kann, was darin steht.
Meine Sammlung wird vielleicht einmal größer. Viele Bücher eben…
Aufpassen muss ich. Die Weiber rennen mir nach, weil ich ein Reichsgraf bin. Sie sehen den Titel und meinen, dass ich eine gute Partie sei. Da haben die Väter oft noch einen klareren Blick, erkennen, dass ich doch ein Nichts… nun ja, das vielleicht nicht. Trotzdem. Die Weiber sind gut. Wohl doch nicht die Ehe. Und solange ich nicht eine gute Mitgift so einer Familie benötige, kann ich auch gut und gerne auf mich allein aufpassen. Bedeutet ja nicht, dass ich nicht schon einmal eines der Weiber probiere. Wer kauft schon die Katze im Sack? Hahaha!
"Kommt, bitte. Ich habe etwas, was Euch wirklich besänftigen wird!"
Der kann es nicht lassen. Ich hasse das.
Letztens, als ich im Auftrage der kayserlichen Hoheit nach Damaskus reiste, da hatte doch wirklich so ein Bursche die Stirn, der da mit kleinen Krügen handelte, einen Käufer vor aller Augen zu schlagen, weil der ihm nichts für einen umgeworfenen Krug geben wollte. Na, wo leben wir denn?
Wieder sehe ich über den Fluss. Die kleinen Boote, die einen hinüberbringen können, die sollte man nur mit eigener Münze bezahlen. Zu häufig wurden schon Reisende in den Tower gesteckt, weil sie angeblich nicht gut bei Kasse wären. Und ich traue den Engländern doch alles zu. So, wie sie mit ihren Herrschern oder deren Weibern umgehen… na ja.
"Hier, schaut bitte. Das ist doch…"
Jetzt hält er mir ein Buch unter die Nase. Es sieht alt aus. Na ja. Das Ding von seinem Freund war ähnlich. Ich würde gar sagen, die Prägung unterschied sich nicht wesentlich. Eben… dass im Innern nichts mehr war, wie es hätte sein sollen.
Ich habe nun einmal einen Drang zu den alten Werken.
Nun befühle ich das Leder.
Hart. Es muss hart sein. Wer nahm sich schon die Zeit und fettete die Rücken, damit alles weich und geschmeidig bliebe über die Jahre? Ja, selbst da wollte mich mal einer hereinlegen. Und auch wenn ich noch ganz andere Helfer nutze, die mir zumindest annähernd sagen können, ob etwas wirklich alt ist, so habe ich hier niemanden dabei. Klar, denn ich wollte doch nur diesem Hochstapler von seinem Freund erzählen.
"Blättert, bitte! Alles gut. Alles alt!"
Ich tue es.
Das ist Pergament. Wer hat denn…? Nur wenige Seiten hat dieses Buch. Und doch ist es schwer. Wie eines, aus dem besten Sud geschöpftes Papier in sich tragend… mein Gott… das ist wirklich und wahrhaftig Pergament. Wer hat denn jemals…? Gab es das denn wirklich, dass man Pergamente zusammenband?
Ich überlege.
Natürlich. Der Band, der Einband des anderen war ähnlich. Und weil vielleicht über die Jahre, gar Jahrhunderte die Innereien durch einen Zufall verloren gingen, da dachte man sich irgendwo, man steckt Anderes hinein… Papier.
Frevel…
Langsam gleiten meine Finger über die Schrift. Irgendetwas ist hier anders. Ich kenne Pergamente. Natürlich. Früher, bevor der Gutenberg nun auch noch das Papierbedrucken möglich machte, da hatte man beides. Papier, worin die Tinte leicht auslief. Und das Pergament aus den Tierhäuten.
Tiere…
Noch einmal sehe ich mir alles an. Längst sitze ich in dem kleinen Raum, der sich hinter dem Laden befindet und in dem nur ein paar Kerzen meinen Augen helfen, etwas zu erkennen.
Oh, Du Lumich! Wenn Du mich jetzt mit Licht und ein wenig Hokuspokus veralbern willst, dann kann ich Dir auch ganz anderes erzählen… die Polizei ist nicht weit und in England macht man schon einmal einem Betrüger das Leben leichter, indem man ihn der Bürde des Gewichtes seines Kopfes beraubt.
"Was soll das sein?"
Verdattert schaut der Mann zu mir.
"Es ist echt. Das andere… nun ja, eigentlich war es auch echt. Mein Freund hatte…"
Ich hebe die Hand, verlange nach mehr Licht. Gern würde ich hinausgehen. Ich sehe auch ein, dass der Händler mich nicht mit einem unbezahlten Buch verschwinden lässt. Dann müsste ich ihm erst Silber geben und er hat keine Veranlassung mehr, mir dieses zurückzugeben, wenn ich mich doch gegen das Stück entscheide.
Kerzen bringt er. Viele Kerzen. Da kann ich besser sehen. Meine Augen sind gut. In der Dunkelheit… nun, ich bin keine Katze.

Lange blättere ich. Der Händler schaut mir zu, freut sich, scheint sich schon einen besonders guten Preis auszudenken. Dabei wird er mir noch die Füße küssen, wenn ich ihm mein Angebot nenne. Wenn ich mich wirklich gemüßigt sehen sollte, ihm eines zu nennen. Noch, leider, noch bin ich nicht überzeugt, dass das, was ich da in den Händen halte, auch etwas wert ist.
"Unlesbar. Was soll das sein?"
Ich sehe die Zeichen. Ich bin mir nun fast sicher, dass es sich wirklich um echtes Pergament handelt. Irgendwer meinte irgendwann, dass er irgendetwas auf diese Häute schreiben müsse. Und da alles so fein verziert ist, man auch einige Bilder dazwischen sieht, tippe ich auf ein Kloster… irgendwo auf der uns bekannten Welt Gottes. Wer, wenn nicht gerade Mönche, sollte sonst so etwas schaffen? Ob es sich aber um christliche Mönche handeln kann? Gibt es das denn überhaupt, das sich ein Mönch hinstellt und in einer mir heute nicht einmal vom Angesicht her bekannten Sprache schreibt? Sollte da jemand etwa eher dafür gesorgt haben, dass man etwas Mystisches schafft, um mir noch einmal Geld…?
"Ich weiß nicht, was es für eine Sprache ist. Aber es ist alt!"
Oho… entweder hat er sein Herangehen geändert, oder er spricht im Laufe unserer recht kurzen Geschäftsbeziehung endlich das erste Mal die Wahrheit?
Noch einmal blättere ich. Da ist ein Zeichen… ein Bild… wie bezeichnet man denn nur diese Dinger da, die an den Seitenanfängen hier stehen? In Initial? In dieser Art kenne ich die nicht. Was es ausdrückt, kann ich erkennen. Ich glaube es… das ist ein Symbol für Gott. Und das…
Ich überlege. Dann rufe ich den Händler.
"Habt Ihr eine Gutenbergbibel im Hause?"
Natürlich schaut er mich an, als wenn ich ihm gerade etwas vom Teufel und seinen Gehilfen erzählt hätte. Das ist mir egal. Dass ich ihm keine dieser modernen Bibeln abkaufen will… nun, das wird er verstehen. Und doch eilt er in einen der anderen Räume, sucht wohl auch und findet, was ich will.
"Hochwohlgeborener Herr, ich habe nur so eine. Ist eine Einfache aus Frankfurt. Auch noch in angelsächsisch. Aber vielleicht…?"
Ja, gib her. Es reicht vielleicht.
Ich blättere auch darin. Und ich finde ein paar Parallelen. Nein, nicht im Druck. Dieses alte Ding da ist mit der Hand geschrieben… wann und von wem auch immer. Und das hier ist gedruckt. Jede Seite sieht fast aus, wie die vorherige.
Übereinstimmung.
Natürlich. Das sind Verse. Und sie beschreiben sicher keine schönen Mädchen, die irgendwann in Brunnen fielen oder sich sonstwie hatten und später wegen ihrer Vergehen und ihres recht leichten Lebens wegen Scham verspüren mussten. Hier geht es um andere Dinge.
Da… das Zeichen.
Anders. Natürlich. Ich erkenne diesen Heiligenschein, die Wolken, den Himmel und einen hohen Berg. Das wird kein Olymp sein und es geht hier sicher auch nicht um Zeus. Wer sollte dessen Geschichte noch aufschreiben, wenn die Griechen doch eigentlich eine recht gute Schriftsprache hatten?
Ich schlucke.
Eine frühe Bibel?
Nun versuche ich, anhand der Verse zu finden, wo diese hier ansetzen mag. Natürlich kann auf den wenigen Seiten nicht das gesamte Werk aus dem Buch der Bücher stehen. Aber ein Teil?

Müßig. Ich kann keine weitere Übereinstimmung finden.
Stunden sind auch vergangen, und wenn ich wirklich in den nächsten Tagen gen Paris aufbrechen will, muss ich zumindest irgendwann nach diesem hiesigen Dover. Nur da kann man mit einer angenehmen Passage hinüber rechnen.
"Wie viel?"
Fast angewidert sehe ich auf den Mann. Der schaut auf das Buch, leckt sich die Lippen. Ich werde sicher gleich so eine überzogene Forderung hören, die ich nur verlachen kann.
Noch ehe er antwortet, weise ich ihn auf den Betrug hin, den er mit seinem Kumpan gegen mich anzettelte und dass ich gut und gerne auch noch zur Polizei gehen könne, um mir da ein gehöriges Recht zu erkaufen… und er würde danach seines Lebens…
Meine Worte fruchten. Er will nichts haben. Natürlich sehe ich seinen traurigen Blick. Glaubt er doch, er tat nun etwas, was er den Rest seines widerlichen Lebens bereuen wird.
Ich nehme das Buch, lasse noch ein paar Kupferstücke auf dem Tisch liegen, nehme dafür aber diese moderne Bibel mit, was ihn jetzt doch recht verwundert stimmt. Na, soll er ruhig denken… na ja.

Ich gehe einige Schritte. Das Bündel unter meinem Arm ist schwer. Dieses alte Buch, was man sicher irgendwo fern von unserer Welt erschuf, das zieht mich zu Boden. Ich muss mich setzen, sehe aber nirgends ein Kaffee, wo ich das ohne Aufsehen zu erregen auch tun könnte. Nur eine kleine Kapelle steht da drüben. Muss ein Überbleibsel des alten Hafens sein, der irgendwann abbrannte und fast die Stadt hier an der Themse in Schutt und Asche legte. Seither ankert man weiter draußen, fährt mit Kutschen und Booten in die Stadt, kann sich also die Bauten entlang des Flusses anschauen, noch ehe man richtig da ist. Hmm… eine geruhsame Art, diese Gegend als Reisender zu genießen.
Gut… eine Kapelle steht jedem offen. Egal, wer sie baute und wem man sie weihte… alle sind sie nahe bei Gott und bei den Menschen. Kann man von manchem Manne der Kirche nicht sagen, aber doch von deren Bauten.

Ein altes Stück. Sicher haben das kleine Haus des Himmels Seefahrer aus fernen Ländern erbaut. Doch zumindest hatten sie das Bedürfnis, nahe bei Gott zu sitzen, denn es gibt Bänke. Selbst wenn darauf sicher heute nicht mehr viele Besucher verweilen… Staub, viel Staub und Dreck überall. Das lässt zumindest darauf schließen.
Ich sehe mich um.
Das ist nicht meine Welt, in der ich hier bin. Mystische Symbole, auch Teufelsköpfe… und viele Knochen. Als wenn eine heidnische Kultur versuchte, ihren eigenen Glauben mit dem an Gott und den Heiland zu mischen, sich also einzubringen in einen Glauben, der doch alles Andere infrage stellen sollte.
Ruhig sitze ich.
Warum muss ich an Wasser denken, wenn ich keines erhalten kann? Und das Weihwasser kann und darf ich sicher nicht trinken.
Ruhe… niemand… doch, da sind Schritte. Hinter mir. Sicher ein Kirchendiener, der in der abseits gelegenen Kapelle für Ordnung zu sorgen hat. Oder ein ähnlich frommer Besucher, wie ich.
Ich kichere in mich hinein.
"Was lässt Dich Gott lachen, mein Sohn?"
Der Priester steht neben mir. Hoch aufgerichtet und ein wenig Angst einflößend hat er sich gestellt und schaut nun mit einem wenig Güte verheißenden Blick auf mich.
Ich wende den Blick ab, sehe zum Altar, dann in die Höhe und auf den Boden, versinke, zumindest für den da, ins Gebet.
Und wie ich nun sitze, höre, dass er geht, da sehe ich auf dem Boden Zeichen. Wer sie nun gerade dahin schrieb, sie in den Stein schlug…?
Nein, wenn ich um mich sehe, entdecke ich noch mehr davon.
Das ist doch…
Ich sehe genauer hin, kann nicht anders, schnüre mein beim Händler fest verknotetes Bündel auf, blättere in den Pergamenten und…
Ja, das sind eben jene Zeichen, die ich darin sah. Das sind sie. Ich kann keinen Zweifel hegen.
Nur…
Was sind sie? Wohin gehören sie?
Während ich grübele, höre ich drüben am Altar ein Scharren.
Der Priester… der muss es wissen!
Ich lasse die Bücher liegen, gehe, renne fast zu ihm. Er würdigt mich erst keines Blickes. Doch als er mich ganz nahe bei sich weiß, sieht er mich noch einmal so durchdringend an, wie schon vorhin.
"Was willst Du, mein Sohn?"
Er nuschelt. Ist mir vorhin nicht aufgefallen, wo er vielleicht all seine Wut über mein Lachen in seine Worte legte und sie lauter hervorbrachte. Ich verstehe ihn trotzdem. Und ich zeige auf die Zeichen um uns.
"Was ist das? Eine Sprache? Muster und Ornamente? Bitte sagt es mir. Ihr müsst es wissen!"
Etwas amüsiert schaut er nun zu mir. Er ist einen ganzen Kopf größer, als ich und auch entsprechend breit. Ich denke, schon darum hat er wohl ein Aussehen, was ihn mir gegenüber recht düster erscheinen lässt. Jetzt schmunzelt er.
"Oh, mein Sohn, das ist die Sprache des Heilands!"
Sprache des Heilands. Blöder…
Nun, ich mäßige meine Gedanken.
Noch eine Frage? Ich sehe, dass er keine Lust hat, sie mir zu beantworten. Ihn freut vielleicht mein Interesse. Er ist zu sehr mit seinen eigenen Dingen beschäftigt, als dass er mir helfen will.
Ich gehe zurück zu meinen Büchern, schnüre mein Bündel und sehe mich nicht einmal nach dem Allerheiligsten der kleinen Kapelle um, als ich sie verlasse. Sicher bin ich nun nicht mehr willkommen, wenn ich dieses Haus, diese Kate Gottes betreten will?

Die Sprache des Heilands.
Ich bin mir sicher, dass er genau weiß, was ich wissen wollte. Er sagte es mir nur nicht. Und ich glaube auch, dass er mich nicht anlog. Das ist also die Sprache des Heilands und ich kann nicht erkennen, was er damit gemeint haben könnte.
Sprache…
Der Heiland.
Ich muss mir das merken. Selbst wenn ich dies nicht könnte, hätte ich wegen des Aussehens des Mannes gar keine Chance, es zu vergessen. Also frohen Mutes zurück in meine Unterkunft, mein Quartier, den kleinen Gasthof an der Themse.

Angekommen. Der Wirt will mich in ein Gespräch verwickeln. Ich habe keine Lust, kann auch keine Zeit erübrigen. Er soll mir für den nächsten Morgen eine Kutsche bestellen. Ich will nach Dover. Und er soll in Erfahrung bringen, wann von da ein Schiff nach Calais fährt, das ich nehmen kann. Und wie ich von dort dann nach Paris… nun ja, das muss ich dort regeln.
Dann sitze ich auf meinem Zimmer.
Ich brachte kaum Gepäck mit. Eigentlich wollte ich nur einiges sehen, auch das eine oder andere gute Buch erwerben…
Ich nehme den Folianten, mit dem mich der Freund des Händlers betrog. Dann lege ich ihn neben das heute erworbene mysteriöse Buch. Was habe ich da nur?
Lachen… das kommt aus dem Nebenzimmer. Der Kerl da ist ein Hallodri. Ich sah ihn heute Morgen erst. Und er soll jeden Tag andere Weiber… nun ja, die Stimme war die eines Weibes. Und was die da treiben… soll mir jetzt egal sein.
Ich blättere in dem neuen Buch. Dann schlage ich wieder die moderne Bibel auf. Frankfurt… seit wann druckt man in Teutschland auch noch Bücher für die Angelsachsen?
Überlegen.
Nichts passt. Wenn es sich um eine Bibel handeln sollte, ist das komisch. Angeblich sollen doch alle Schriften des heiligsten aller heiligen Bücher schon seit Jahrhunderten in gleicher Art erfolgen.
Was nun, wenn ich auf dem Holzweg bin? Sagt man so? Ich war da schon oft. Und wenn ich es erkannte, passierte oft irgendetwas Schlimmes. Wie damals, als ich dem Bischof ein ganzes Bündel von Kirchenbüchern stahl. Das war keine große Sache. Ich wollte sie nur eben im Regal zuhause stehen haben, wenn ich von meinem Lehrer besucht werde. Es sah und sieht auch heute immer noch so edel aus, wenn man eine große Menge solcher Bücher hat.
Nun ja…
Und ich sitze jetzt über einem Problem.

Die Sprache des Heilands. Ich muss jemanden finden, der sich noch besser mit den ganzen Dingen des Glaubens und vor allem mit der eigentlichen Geschichte des Heilands und aller Geschehnisse um ihn und in seinem Leben auskennt.
Wo findet man so jemanden?
Die Kirche selbst? Nein, die Schwarzröcke denken immer gleich, man will ihnen etwas verkaufen oder abjagen, was ja auch stimmt. Nur ist es dieses eine Mal nichts Dingliches, sondern eben nur eine Information. Geben werden die sie mir doch nicht. Und was mache ich da? Ich kann nur eine Ausweichvariante wählen… aber die fällt mir immer noch nicht ein.
Ausweich…
Ich bin müde. Und ich sitze immer noch auf dem Bett, in dem ich lieber schlafen sollte.
Ja, das Angelsächsische spreche und lese ich gut. Ich kann es nicht ganz so gut schreiben. Da ich oft mit Menschen zu tun habe, die nicht einmal eine Feder halten können, wäre das wohl das kleinste Übel, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von einem Übel sprechen kann, darf und muss.
Warum komme ich darauf? Ja, ich wundere mich, wie ich mich in der Geschichte um den Heiland festlese. Kann ich so einen Hinweis finden? Und ich übersetze einige der Verse für mich. Doch selbst jetzt kann ich in diesem Folianten keine Übereinstimmung finden. Die Verse passen. Da gibt es kaum Abweichungen. Nur, wenn man den unterschiedlichen Satzbau der einzelnen Sprachen sieht und beachtet… aber eine Strophe bleibt eine Strophe, ein Reim ein Reim und eine Erzählung behält meist auch noch dieselbe Länge. Nicht umsonst gibt es die recht einheitliche Sprache der Bibel, wenn man sich auf direkte Passagen und Zeilen bezieht. Wer sollte dann…?

Das Buch aus Frankfurt liegt aufgeschlagen vor mir. Eben kam die Tochter des Wirts und brachte mir Wein. Ich hatte das Gefühl, dass sie auch geblieben wäre, wenn ich nur ein wenig Anstalten gemacht hätte, sie ein wenig hübsch zu finden. Ich bin zu tief versunken im Denken… Nachdenken natürlich.
Unwirsch wirkte sie, als sie ging. Jedoch denke ich schon, dass sie gleich wieder einen anderen Auftrag ihres Vaters bekommt. Der hält sie wohl pfeil. Das arme Ding… ist es eines Tages Zeit zu heiraten, wird sie schon gar nicht mehr wissen, was man unter Liebe, Zuneigung und anderen Dingen verstehen kann.
Einen Schluck nehme ich vom Traubensaft. Der ist gut. Ja, wenn die Angelsachsen auch eigentlich keinen ordentlichen Wein machen können, weil ihrem Lande eben die Sonne fehlt, so haben sie überall in der Welt, die wir heute kennen, auch einen Flecken für sich geordert und holen sich von da, wovon wir in Teutschland nur träumen können. Darum wird der Kayser auch immer so unwirsch, wenn ich von den Angelsachsen, dieser Insel rede.
‚Die halbe Welt… nicht nur eine Insel!'
Das donnert er mir dann entgegen und ich frage mich, ob er nicht sogar recht hat. Einen Krieg muss er nun nicht auch noch mit denen beginnen wollen. Dazu sind wir… gelinde gesagt… zu schwach. Außerdem könnte ich nicht mehr so ungehindert und in seinem Auftrage um die halbe Welt reisen und mir ganz nebenbei das eine oder andere Buch aneignen, von dem ich so gar nichts wüsste.
Heile Welt.
Oh, verdammt… jetzt ist doch tatsächlich…
Dieser Druck war stümperhaft. Nichts passt wirklich dabei. Und nun läuft auch noch diese Tinte, die sogenannte Druckerschwärze, die läuft aus. Das muss ein billiges Zeug sein.
Gut, die alten Klöster hatten auch meist nur solche Tinten, die dem Wasser nicht trotzen konnten. Was tut das denn zur Sache? Die Druckerschwärze läuft nicht aus. Nur, wenn man sie wegen zu wenig Geld nicht mehr bezahlen kann und die alten oder gar selbst gemischten Tinten nutzen muss. Das wird es…
Halt…
Was läuft da gerade aus?
Judäa. Das kenne ich. Die Juden, denen auch der Heiland angehört haben muss. Ein Grund mehr für den nun schon so viele Jahrhunderte andauernden Hass auf die Juden.
Juden… ja, die Juden… die haben eine noch ältere Geschichte, als wir Christenmenschen. Eigentlich, wenn ich es richtig verstehe und mir nicht noch von meinem Beichtvater den Kopf mit dummen und dem Buch der Bücher entsprechenden Reden verdrehen lasse, sind wir doch auch nichts anderes, als Juden.
Juden eines Glaubens, der auf eben jenes Judäa zurückgeht. Und der Zusatz, den der Heiland…
Ich halte mich zu sehr mit der Geschichte auf. Ich sollte endlich mal darauf dringen, das Geheimnis des Buches zu lüften. Das ist wichtiger, das ist größer.
Größer… ja!
Wo aber in diesem angelsächsischen Lande finde ich einen Rabbi, der mir mehr erzählen kann, als es mir ein Bischof jemals auch nur sagen wollte? Nein, ich kann nicht wirklich einfach glauben, dass das einfach wird… einfach… einfach… na ja.
"Wirt!"
Nichts zu hören.
Ich reiße die Tür auf, sehe über die Balustrade hinunter in den Schankraum. Einige düstere Männer sitzen da und lassen sich ein Ale nach dem anderen munden… oder schütten es doch nur in sich hinein. Nicht jedem steht es eben an, sich am Weine zu laben.
"WIRT!"
Jetzt kommt Bewegung in den alten Betrüger da unten. Ich möchte nicht wissen, wem er schon alles den Bart verkauft hat… und wem er ihn dann noch abnahm.
Jetzt kommt er nach oben, muffelt und murmelt die ganze Zeit vor sich hin, will wohl nicht verwinden, dass ich seine Tochter wegschickte. Wer weiß, wie er mir diese auf die Rechnung geschrieben hätte… oder welche der starken Männer zu mir kommen sollten, um mich auf frischer Tat mit ihr zu ertappen.
"Ja?"
Gelangweilt wirkt er. Er will den Kerlen dort wieder die Becher füllen, mehr verdienen, vielleicht auch sein Bier und den Wein noch einmal strecken. Irgendwer hatte dem Kayser gesagt, dass es in Teutschland viele geben soll, die all das tun, die sich also zu Unrecht noch mehr Silber verdienen und gerade die bedienen, die schon viel gekübelt haben, da die nicht gerade gut angesehen sind bei den Wachen. Und ruft er dann eine, der jeweilige Wirt, wird diese auf jeden Fall für ihn entscheiden. Jemand, der schon nicht mehr geradestehen kann, der kann auch nicht allen Ernstes zählen, was er trank und er wird nicht merken, ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Bier war. Das will ich jetzt nicht klären. Ich brauche… ich brauche eine Auskunft. Eine, für die man nicht extra zahlt.
"Ihr holt mich von meinen Gästen weg, um mich nach einem Rabbi zu fragen? Seit ihr noch bei Troste, edler Herr?"
Er weiß schon, dass er mit einem Grafen, einem Reichsgrafen spricht. Und er kennt auch meinen eigentlichen Herrn. Niemals dürfte er zu forsch gegen ihn sprechen. Ein Wort von mir und dieser ‚Schwarze Eber', wie sich seine Kneipe, dieser ‚Pub' hier nennt, der kann schließen. Diese Macht habe nicht ich, die hat der Kayser… und damit doch ich als sein Gesandter.
"Wirt, ich brauche einen Rabbi, dem Ihr vertrauen würdet. Nicht als einen Heiligen, sondern als einen Menschen. Und ich will ihn heute noch sprechen. Könnt ihr mir das arrangieren?"
Das Wort ist ihm fremd. Er überlegt, versteht dann aber doch, was ich von ihm will. Dann macht er die Hand auf. Ich lache.
"Nein, wer gar seine Tochter einem Gast anbietet, der wird von mir für solch eine wirklich einfache Sache nichts erhalten. Aber wenn ich zufrieden bin…"
Ich neige mich zu ihm herunter, denn er ist gut einen halben Kopf kleiner, als ich, und ich habe den Mund ganz nahe an seinem Ohr.
"…dann kann ich dem Kayser melden, dass der ‚Schwarze Eber' nicht nur eine gute Wahl ist in London, sondern ich vergesse auch, diese Sache mit Eurer Tochter zu benennen. Denn wenn sie so ein leichtes Ding sein sollte, wie ich es jetzt denke, dann ist das kein Ort, wo Kayserliche aus Teutschland absteigen… weder jetzt, noch in Zukunft. Glaubt mir das!"
Er schluckt. Nein, das will er nicht wahrhaben. Und doch… ich kann… na ja, zumindest kann ich so tun, als wenn ich könnte.
"Herr…"
Er überlegt. Dann scheint er eine Entscheidung getroffen zu haben. Ich hoffe mal für ihn, dass sie in meinem Sinne ist.
"Ich kenne keinen Rabbi. Aber ich kenne einen Juden. Und der geht jede Woche mehrmals in die Synagoge. Zumindest meint er das. Der kann mir sagen, wo ich einen Rabbi finde. Und dann kann ich Euch…"
Das ist mir zu umständlich.
Ich schlage die Bücher zu, die ich auf dem Bette liegen habe. Dann klemme ich mir das Große mit den Pergamenten unter den Arm, nehme meinen Hut und schiebe den Wirt aus meinem Zimmer.
"Los, zeigt mir, wo ich den Freund finde. Und, Wirt, keine Umwege. Ich will heute noch schlafen. Das versteht Ihr doch, oder?"
Er grinst. Ob er schon wieder an seine Tochter denkt? Ich sollte mich auf jeden Fall darauf gefasst machen, dass er sie mir direkt ins Bett legt und ich sie da vorfinde, wenn ich dann vom Rabbi zurückkomme. Wenn ich denn auch wirklich zu einem wahren Rabbi komme. Ich hege noch ein paar arge Zweifel.
Mein Umhang wird mir ein wenig Wärme spenden. Die Londoner Nächte sind kalt. Das ist es nicht, was mich vornehmlich stört. Ich habe das Gefühl, als wenn alle, denen wir auf der Straße begegnen, mir ins Gesicht schauen, mir fast das Buch unter dem Arm hervorziehen wollen. Und ich habe keine Ahnung, woher meine Vision kommt.
Dann stehen wir in einer dunklen Straße. Ich hörte schon vom Unwesen einiger Gestalten, die sich wohl gerade bei Nacht an den normalen und guten Menschen vergehen, die spät nach Hause kommen. Die, die ihnen nur die Brieftasche oder die Börse nehmen, die sind noch die Einfachsten. Und wieder denke ich an mein Buch.
"Hier ist es. Ich klopfe und stelle Euch vor, edler Herr. Dann könnt ihr mit ihm selbst reden. Ich hoffe einfach, dass der Rabbi auch heute zu sprechen ist und dass mein Freund ihn so gut kennt, dass er Euch auch zu dieser späten Stunde dahin führen kann."
Na ja, das hat etwas.
Ich sehe nach oben in die Dachfenster des Hauses. Mein Vertrauen in diesen Stadtteil der großen Stadt an der Themse steigt hier wirklich nicht gerade. Und ich sehe mich noch beim Händler sitzen, als ich heute das Buch ergaunerte. Ja, ergaunerte. Denn nun habe ich zwei alte Deckel, einen mit altem Inhalt… und der andere trägt zumindest Dinge in sich, die es sich auch lohnen kann, einmal genauer zu studieren. Und nun brachte mich dieses eine Buch in so eine finstere Straße. Oh weh… und es stinkt. Nebel ist keiner. Der soll nicht immer umgehen in diesen Straßen und Gassen. Wenn eben doch, dann kann es schlimm sein.
Der Wirt haut laut an die Tür. Es dauert eine ganze Weile, ehe sich oben etwas tut. Und dann hören wir schlurfende Schritte hinunter.
Eine Katze rennt mir zwischen den Beinen hindurch. Selbst wenn mich so etwas noch nie erschreckt hat, so rutscht mir doch fast das Buch unter dem Arm hervor. Wäre fatal… gerade hier ist viel Schlamm.
Endlich geht die Tür auf. Ich habe darauf gewartet, aber es dauerte eben eine ganze Weile. Nun unterhalten sich der Wirt, dem ich schon wegen seines kleinen Buckels auf dem Rücken nicht über den Weg traue, und sein Freund, der Jude. Ich verstehe kein Wort. Und ich fluche darum vor mich hin. Die reden in einer Sprache, die ich schon in diesem angelsächsischen Lande hörte, die ich aber nie erlernte. Wozu? Ich als Teutscher kann einfach mit allen reden. Dass ich ein Gespräch belauschen müsste… nein, das konnte ich nicht ahnen. Es dauert nicht lange, bis sich der Wirt zu mir wendet.
"Er weiß Bescheid und führt Sie zum Hause des Rabbis. Er kennt ihn gut. Ich wünsche Euch Glück!"
Etwas nachdenklich folge ich dem Freund des Wirtes.
Wir laufen weiter durch die Straßen. Langsam kommt in mir der Verdacht auf, dass es in London nicht viele Rabbis geben kann. Denn ich meine, die halbe Stadt durchmessen zu haben, was in dieser Dunkelheit und bei dem nun einsetzenden Regen nicht gerade ein wahres Vergnügen ist. Außerdem weichen wir an fast jeder dritten Ecke einer Patrouille der Polizei aus, die es hier wohl recht ernst mit der nun schon einige Jahre geltenden nächtlichen Ausgangssperre nimmt… Natürlich kann das nur dem geschuldet sein, dass es diese vielen Morde und auch einige andere Fälle gab, die sich nur im Dunkel der Nacht abspielen konnten.
Endlich kommt unser Schweigemarsch zum Stehen. Mein Partner ist still. Ich weiß nicht, ob er mit mir nicht reden will oder ob er nur seine Sprache beherrscht, in der er vorhin für mich so unverständlich mit meinem Wirt sprach… nun ja, sprach? Ja, irgendwie schon.
Jetzt erreichen wir aber ein Haus, dem man die Ärmlichkeit auf den ersten Blick ansieht.
Klein und zwischen die übrigen Hütten und stattlich zu nennenden mehrgeschossigen Bauten gequetscht, liegt es da und wird wohl bei einer der nächsten Bereinigungen hier auch verschwinden müssen. Ich kenne nicht einmal den Stadtteil, in dem wir jetzt sind. Mich deucht, wir wären unaufhaltsam nach Westen gegangen. Wenn die Straßen, durch die wir gingen, und die Gassen, die wir zwischen ihnen zu benutzen hatten, auch nur einen kleinen Bogen gemacht haben sollten, könnten wir jetzt auch im Süden oder Norden der Stadt sein.
Meine Fragen nach dem Ort verhallen bei dem Mann, der mich mit seiner Narbe im Gesicht immer zum Fürchten anschaut und nur den Kopf schüttelt. Zum Glück scheint er es aber nicht auf mich oder etwas in meinem Besitz abgesehen zu haben, denn er ist still und klopft nur ähnlich stark und nicht überhörbar an die Tür, wie vorhin der Wirt bei ihm, dass ich gleich denke, nun müsse sie wohl mit Krachen in sich zusammenfallen.
Es dauert.
Natürlich. Inzwischen mag es weit nach Mitternacht sein und ich weiß nur zu gut, dass sich ein Mann des Glaubens um diese Zeit einfach hinlegen muss. Schon, um den Dämonen zu widerstehen.
Wir haben doch Erfolg.
Nach einer Weile höre ich schlurfende Schritte. Die sind vielleicht nicht unbedingt einem Glaubensmann zuzuordnen? Nein, denn eine krächzende und recht hohe Stimme verrät, dass da wohl gerade ein Weib hinter der Tür nach unserem Begehr fragt.
Begehr…
Ich hoffe, sie fragt das. Ich verstehe auch dies nicht. Wie vorher die Rede meines Wirtes mit meinem Führer.
Nach einer Weile, einigem Gezeter, das unschwer auszumachen war, öffnet sich nun doch die Tür und mein Führer verabschiedet sich mit einem kurzen Nicken von mir, um gleich im Dunkel der Gasse zu verschwinden, in der wir uns jetzt befinden.
Wie, um alles in der Welt, soll ich denn von hier jemals wieder zurück zum ‚Schwarzen Eber' finden?
Ich stelle die Frage hintenan und sehe der Frau ins Gesicht…
Dick, klein, verschrumpelt. Die besten Jahre mögen fast ein Leben lang zurückliegen. Und ich frage mich wieder einmal, wie es wohl Gott nur bewerkstelligt, alle Geschöpfe auf Erden zu lieben und ihnen eine Chance zu geben.
Sie bittet mich mit einer kurzen Geste herein. Drinnen mustert sie mich im Schein des verglimmenden Herdfeuers, will schon nach hinten, um dem Rabbi Bescheid zu geben, doch sie besinnt sich und entfacht noch zwei Lampen, die nahe des Feuers stehen. Dann mustert sie mich noch einmal, schüttelt den Kopf, murmelt ein paar Fetzen und geht.
Ich stehe in einem ärmlichen Raum. Die Stühle sind keine. Man hat wohl Kisten und alte Truhen umgebaut, sie vom Müll geholt und mit mehr als nur zerrissenen Teppichen überworfen, die nun allem einen kleinen Glanz von Wohlstand geben sollen. Das kommt nicht an.
Das Feuer rußte die Wände um mich vollständig schwarz. Und wenn ich es nicht besser zu wissen hoffe, könnte ich auch glauben, in eine Höhle der Ketzer gekommen zu sein. Schwarze Rituale… nun ja, das soll es geben.
Kaum Zeit bleibt mir für meine Studien, denn nun kommen Bewegung, Krach, zumindest laute Geräusche im hinteren Hausteil auf. Ein Mann, der noch dicker ist, als diese Haushälterin, der tritt durch die Tür, scheint sich gerade mühsam in seine Tracht gewunden zu haben, setzt eine Art Brille auf, die ihm ein gelehrtes Aussehen geben soll, und schaut mich unwirsch an. Dann brummt er wieder Worte, die ich nicht verstehe.
Er merkt schnell, dass ich nicht von hier bin und ich verfluche den Moment, als ich den Wirt ziehen ließ. Der Führer wird der Frau sonst was erzählt haben… oder auch nichts. Und nun muss ich… na ja, ich muss herausfinden, ob der da mich versteht. Sonst kann ich mir den ganzen Ärger auch sparen, der sicher noch kommt… eine Übersetzung durch jemanden, den ich nicht verstehe… das ist wie die Unterhaltung eines Blinden mit einem Tauben… eben sinnlos.
"Herr Rabbi…"
Wie spricht man solch einen Mann an? Ich kenne mich nicht aus, habe auch meinem Beichtvater gegenüber nie zu viele der Floskeln nutzen müssen und kenne keinen Judenpriester.
Er sieht auf mich, scheint zu begreifen und langsam ein wenig ruhiger zu werden.
"Jo mei, dues is ja a Teutscher!"
Oh Gott… er spricht meine Sprache. Zumindest ein wenig. Und nach ein paar Augenblicken scheint er auch dem Weibe klargemacht zu haben, dass ich eben nur ein Ausländer bin, dem man so eine Störung zu später Stunde… oder eben früher… auch nachsehen muss.
Wenig später steht ein Trunk auf dem Tisch, den ich nicht kenne. Er ist heiß, schmeck gut, wärmt meinen inzwischen von der langen Wanderung doch etwas ausgekühlten Körper durch und ich fühle mich gut.
Ich muss berichten, woher ich komme. Das tue ich gern und der Rabbi scheint eine Art Hochachtung für sich zu empfinden, dass ein Reichsgraf seine Gesellschaft, seinen Rat sucht.
"Wös ka ich denn nua tun?"
Nun ja, wie sage ich es denn, wenn ich das Buch, welches ich bei mir trage, nicht gleich an ihn verlieren will? Warum sollte er es mir streitig machen?
Ich berichte von der Kapelle, den eigenartigen Schriftzeichen und dem Buch… ja, ich erwähne es und lege es nun zwischen uns auf den Tisch. Der Rabbi schaut auf das Leder, streckt jedoch nicht einmal die Hand danach aus. Und schließlich komme ich zu dem, was ich will.
"Es wurde in einer Sprache verfasst, die ich nicht kenne. Ich will es aber gern lesen. Und auch wenn ich in Teutschland sicher eine Menge anderer Helfer finden würde, kann ich nicht warten."
Der Rabbi lacht mich an, schaut noch einmal auf das Leder.
"Old is es woahl?"
Ja, natürlich. Was denn sonst. Und ich denke, dass es eine der handschriftlichen Bibeln ist. Nur eben, dass ich, selbst wenn ich an die Bücher denke, die ich zuhause stehen habe in meiner kleinen Sammlung, keinen Hinweis auf so eine Sprache finden kann.
"Es soll die Sprache des Heilands sein. Aber was war diese?"
Der Rabbi zuckt kurz zurück. Natürlich. Der christliche Glaube ist ihm nicht unbedingt eine Freude. Haben sich doch die Christen irgendwann einmal von den Juden abgespaltet…
Ob ich damit der Lösung nahe bin? Kann es sein, dass es um eine Sprache aus jenen Ländern geht, die Jesus einst bewanderte?
Der Rabbi fängt sich irgendwann. Er schaut mir in die Augen. Dann betet er. Ich denke, dass er das tut. Und er greift nach dem Buch, schlägt es vorsichtig auf, blättert einige Seiten durch und nickt immer wieder. Er ist jedoch still, schlürft seinen Trunk und weißt auch das Weib, welches sich gerade nach uns umsieht, aus dem Raum, zurück ins Schlafgemach.
Wie ist das bei den Juden? Dürfen die Rabbis mit Weibern verkehren und gar mit ihnen leben? Ich kenne die Regeln nicht. Und doch muss ich mit diesem Mann klarkommen.
Er blättert immer noch, kann aber wohl nichts finden, was ihm genauen Aufschluss gibt. Dann zieht er die Lampe auf dem Tisch näher zu sich heran, schaut sich ein paar Bilder an, schüttelt den Kopf und steht auf.
Er tritt zu einem Bord an der Wand, das ich erst jetzt bemerke. Darauf liegen einige Bögen. Es müssen Papiere sein, mit denen er vielleicht zu arbeiten hat? Zumindest nimmt er sich den ganzen Stoß und legt ihn zu allem Anderen auf dem Tisch.
Blatt für Blatt geht er durch, vergleicht einiges, schüttelt jedes Mal den Kopf, greift nach dem nächsten Bogen.
Ich glaube, zwei oder mehr Stunden sind vergangen. Dann legt er alles aus der Hand, nimmt auch die Brille ab und schüttelt noch einmal den Kopf. Er schreit in der mir unbekannten Sprache nach hinten und das Weib kommt, gießt uns von dem Trunk nach, der die ganze Zeit auf einer Platte am Herd stand und wohl nur warmgehalten wurde.
"Nuo… dös is a goanz verrückt Ding!"
Ja, soweit war ich auch schon.
Nun zeigt er mir die Bögen, die ich über Kopf nicht so gut einsehen konnte. Er meint, das wären Passagen der Bibel… unserer Bibel. Er beschäftige sich damit. Und er habe schon manchen Fehler in den darin enthaltenen Geschichten gefunden. Die Thora ist da anders. An ihr zweifelt niemand. Diese Geschichte der Abtrünnigen, wie er sie nennt, die würde nur so von Märchen angefüllt sein.
"Und adoch is ös a guat Ding!"
Er lacht dabei.
Ich frage noch einmal nach der Schrift im Buch. Er schüttelt wieder den Kopf. Er könne sich nicht vorstellen, dass das eine Bibel wäre.
"Oanders. Goanz oanders!"
Ja, was ich schon herausfand. Die Verse sind keine, die man mit denen unseres Buches vergleichen kann. Und doch… was soll es sonst sein?
Eigentlich ist das auch egal. Ich will eh' nur die Sprache wissen, damit ich künftig versuchen kann, diese zu erlernen.
"Sproach des Heiland… nua joa…"
Er wiegt den Kopf. Gilt das nun dem Heiland, den er als solchen sicher nicht anerkennen wird, oder doch eher der Sprache, dem, was mir dieser Priester in der Kapelle sagte?
Ich vermag es nicht auseinanderzuhalten. Es ist doch nur ein Buch. Und ich kann nicht verstehen, warum ich diese Sprache nicht kennen soll, mir sogar der Rabbi hier vor mir fast versagt, nur ihren Namen zu erfahren… nein, da ist doch…
"Kei Heiland… dös is hoalt nuar ä Buch. Muass Aramäisch sei!"
Aramäisch.
Ich schlage mir an den Kopf.
Natürlich. Ich kenne diese Sprache. Nicht wirklich sie. Nur vom Namen nach. Die Geschichte beschreibt doch gerade, dass damals vieles in dieser Sprache verfasst wurde, sie später fast verschwand und nun wohl kaum mehr…
Verdammt aber auch. Diese Sprache ist fast tot… wenn nicht gar ganz. Wie will ich dann jemals erfahren, was in diesem Buch steht? Nein, das darf ich nicht einfach hinnehmen. Ich muss… ich muss herausfinden, was es beinhaltet. Nur dann kann ich seinen wahren Wert einschätzen. Ich stelle mir doch kein Buch in mein Regal, das ich nicht vollständig kenne. Das wäre… gegen meine Grundsätze.

Der Rabbi kann mir nicht helfen. Er vermutet auch nur, dass es Aramäisch sein könnte. Und wenn ich das lesen will, muss ich entweder ins Heilige Land reisen oder mir eben jemanden suchen, der von da kam und die Sprache noch beherrscht.
Ja, aber wo soll ich so jemanden finden?
Ich danke dem Mann, der sich nun vielleicht nicht noch einmal hinlegen kann, da ihm wohl Vieles durch den Kopf geht. Ich kann ebenso keine Ruhe finden, denn ich muss den Weg zurückfinden zum ‚Schwarzen Eber'. Als ich das dem Rabbi sage, lacht er nur und weist mich durch ein paar Gassen. Es solle nicht weit sein. Nur eben der Weg von da zu seinem getreuen Schüler, der mich dann hierher führte… das hat alles sehr erweitert, dass ich nun nicht einmal weiß, wo ich bin.
Die Erklärung ist trotzdem schwierig, da ich mit den vielen Worten, die er gebraucht, nicht immer gleich vertraut bin. Doch dann meine ich, es versuchen zu können. Zumal draußen ein wenig Röte zu sehen ist. Die Sonne geht vielleicht schon auf und ich kann mich auf ihr zunehmendes Licht in dieser mondlosen Nacht verlassen.

Ich bin unterwegs. Vieles geht mir durch den Kopf, dass ich fast einer Patrouille in die Hände gelaufen wäre. Ich kann mich gerade noch in einem Hauseingang verbergen.
Aramäisch… wer spricht das heute noch, wer kann es lesen und mir beibringen? Wenn ich eines lernen durfte in den wenigen Jahren meines Lebens, dann doch, dass der größte Segen eines Buches immer darin liegt, es selbst zu lesen. Eben, weil man an der Stellung der Worte mehr und genauer erkennt, wie der Schreiber einst dachte, als wenn man es nur nach dem Gefühl eines Lesers vorgetragen bekommt. Wer kann mir nur hier helfen?
Ich erreiche wirklich den ‚Schwarzen Eber'. Geglaubt hatte ich kaum daran. Die Beschreibung des Rabbi war gut, und als ich zwischendurch wohl an die dreimal irreging, fand ich das auch heraus, konnte umkehren und an der rechten Stelle in die richtige Gasse einbiegen.
Wenn mich diese Nacht schon einmal eines gelehrt hat, so doch, dass man sich in London verlaufen kann und dabei nicht unbedingt die interessanten Ecken der Stadt findet.

Das Gasthaus ist verschlossen. Wie es aber wohl jeder Wirt auf der mir bekannten Welt handhabt, ließ auch dieser eine Tür hinten hinaus offen… nicht offen… unverschlossen. Ob das nun gut ist, falls es ein paar Spitzbuben geben sollte, die ihm nach dem Gelde und seinen Gästen nach dem Leben trachten? Ich denke nicht darüber nach, bin zu müde. Froh kann ich sein, dass der Wein heute in meiner Kammer mich darauf brachte, wo ich zu suchen habe. Und mein Starrsinn brachte mich auch zu einem Manne, der mir zumindest einen guten Hinweis gab. Nun bin ich müde, will nur noch schlafen.

Ich erreiche die Kammer. An die Tochter des Wirtes denke ich schon nicht mehr. Jedoch scheint sie auch diese späte Stunde nicht von ihrem Laster, oder der Ausführung des Befehls des Vaters abzuhalten. Denn sie liegt in meinem Bette. Ganz nackt.
Toll… dabei freute ich mich bis gerade noch auf diesen Strohsack, der mich zwar pieksen wird, aber auch zum Träumen einlädt. Vielleicht nicht wirklich zum Träumen? Nun ja, aber eben zum Schlafen. Was will ich dabei mit einem Weibe?
Sie ist gut gebaut. Ich sehe es. Und ich spüre schon einiges an mir, als ich sie so betrachte, wie sie sich selbst im eigenen Schlafe zur Schau zu stellen scheint. Ich bin müde und habe keine Lust, diese plumpe Sache zu nutzen.
Müde und wütend, doch auch ein wenig ruhiger sinke ich in den Sessel, den man meinem Stande gemäß in meine Kammer schob. Da kann ich… Ja, ich werde überall Schmerzen haben. Das ist eben so. Ich kann schlafen. Irgendwie. Und es ist ein Vorgeschmack auf die kommenden Tage… die Kutschfahrt nach Dover, die Überfahrt nach Calais und dann weiter nach Paris. Nichts wird mir da wirklich luxuriös vorkommen. Gut. Ich bin zufrieden, wenn ich in Paris noch einige ordentliche Geschäfte machen kann. Das sollte Lohn genug… nun ja. Ich bin müde und schlafe ein.
Die Träume holen mich ein. Ich sehe einen Mönch, der nach mir ruft. Er hält das Buch in der Hand, das ich heute dem Rabbi zeigte. Und er will mir etwas verraten. Ja, ich beuge mich nach vorn, versuche, ihn zu verstehen. Aber…
"Edler Herr, edler Herr, wacht auf"
Verdammt noch eines… nun erfahre ich vielleicht nie, was der Mann mir zurufen wollte? Dieses Weibsstück kann mich doch nicht einfach… Oh und wehe mir… sie steht nackt vor mir. Ich spüre, wie sie sich an mir zu vergehen sucht. Und ich… ich werfe… ich schlage… ich stoße sie von mir, will sie nicht haben, dass sie doch gleich mit einem lauten Schrei hinter dem Bette zu Liegen kommt.
Ein lautes Knacken… ja, das war zu hören.
Sofort bin ich hellwach.
Verdammt noch eines… was war das nur?
Ich springe auf, bedecke, was sie obszön an mir offenlegte und gehe um das Bett…
Da liegt sie. Oh wehe mir… sie hat die Augen offen, den Kopf leicht verdreht und… und bewegt sich nicht. Dieses dumme Ding ist so blöd aufgekommen, dass nun das Leben aus ihr heraus ist.
Ich… ich muss…
Unten ist Lärm. Nein, nicht meinetwegen. Ich denke eher, dass man sich für das morgendliche Mahl rüstet. Zu lange habe ich nicht geschlafen und bereue, dieses Weibsbild nicht mitten in der Nacht aus der Kammer gejagt zu haben. Das kann mir nun… nun ja, ich bin zwar ein Diplomat, aber eben auch nicht gegen eine Anklage geschützt, wenn ich einen Mord…
Pha… Mord!
Ich habe mich gewehrt.
Wer will das beweisen? Sie ist in meiner Kammer, der Wirt wird behaupten, ich lud sie ein und wollte doch eigentlich nur mit ihr sprechen. Dann hätte ich sie begrapscht und dann wehrte sie sich. Die Kleider… die kann er schnell so herrichten, dass ihm jeder auch nur ein wenig helle Polizist glauben wird. Und ich… ich bin von der Ferne, ein Mann, dem man schon darum unbedingt misstrauen muss. Dazu noch… verdammt… ich habe ein Buch bei mir, das man nicht lesen kann. In der Nacht will ich einen Rabbi sehen und komme erst am Morgen zurück, bringe die Tochter des Wirtes um, als ich doch auch gleich gen Dover aufzubrechen gedenke.
Alles vereint sich gegen mich. Ich bin…
Ja, ich sitze noch nicht in der Falle.
Schemenhaft sehe ich den Tower. Hatte ich wohl erst gestern diese Vision, da nicht hinein zu wollen? Und nun?
Ich muss hinunter, fort, weg… nach Frankreich, denn da wird man mir nichts tun können. Die Franzosen stehen mit meinem Kayser gut. Und der ist einem Weibe auch nie abgeneigt. Er könnte verstehen, dass ich mir ein junges Ding… nun, selbst wenn ich es nicht nahm. Er würde mich schützen. Selbst in Frankreich.
Nur ein Buch. Dieses Buch bringt Unglück. Ich erkenne es. Und ich verfalle sonst nie dem Aberglauben. Ich lache gar über all jene, die das tun, sich nicht unter Kontrolle haben, sich immer wieder denken, dass nur Gott oder der Teufel ihnen nahe kommen kann. Dabei ist es das Leben…
Und dieses Buch?
Ach was… ich gehe…

Nach dem Packen steige ich die Stiege hinunter. Ich sage kein Wort, setze mich an einen Tisch und warte auf das Morgenmahl.
Der Wirt sieht mich an, grinst.
"Nun, gut geruht?"
Ja… und nein. Ich nicke doch, sehe diesen verschmitzten Ausdruck in seinem dummen und doch so verschlagenen Gesicht. Ob er sich fragt, wo seine Tochter bleibt? Nein. Vielleicht geruht sie nach so einer Nacht auch, erst einmal zu schlafen. Müde genug sehe ich aus, dass er ihr Gleiches zutraut. Und dann… na ja, dann wird er sie mir einfach auf die Rechnung setzen. Und ich werde sie anstandslos bezahlen. Nur fort von hier. Nach Stunden erst erkennt er, was geschah… wird es anders deuten, als es wirklich war. Und dann… so Gott mir hilft… bin ich weit fort.

Ich bin satt. Eigentlich bekäme ich keinen Bissen hinunter. Das hätte einen Argwohn genährt, den ich mir nicht erlauben oder leisten darf. Ich muss alles so tun, als wenn ich ein ganz normaler, von seiner Tochter überrumpelter und doch zufriedener Gast wäre.
Ich verlange die Rechnung.
Wieder dieses Grinsen.
Nun, er hat es nicht übertrieben. Die Kammer kostet genauso viel, wie das Weib. Und wenn ich zwei Nächte… nun, vor wenigen Stunden dachte ich ja auch noch, ich bliebe länger. Die Geschäfte liefen gut und das Buch hat alles Andere bestimmt.
Ich begleiche die Kosten. Der Wirt freut sich über ein Trinkgeld. Er weiß noch nicht, dass ich damit die Beerdigung seines Kindes bezahle. Und ich sehe ihm lieber nicht in die Augen. Das kann er werten, wie er will. Ich denke, er glaubt, ich bin verschüchtert ob der Offenherzigkeit seiner Tochter…
Dann stehe ich mit Sack und Pack vor dem ‚Schwarzen Eber'. Die Kutsche ist da. Diese wird mir zumindest gute Dienste leisten. Der Kayser sorgt stets dafür, dass ich eine gut gefüllte Börse habe und so kann ich mir das auch leisten, muss nicht mit der Post reisen und deren Enge spüren, kann mich legen, umsetzen, bewegen, auch eine Pause anordnen oder den Fahrer zur Eile treiben.
Und das tue ich. Weiß ich denn, wann ich wohl Verfolger bekommen werde? Nein, natürlich nicht. Immerhin habe ich… eine Leiche in meiner Kammer zurückgelassen. Das schreit nach Gerechtigkeit… und vor allem erst einmal Aufklärung.

Ach, wenn der Wirt doch nur sein Kind auch einmal in die Dinge zwischen Mann und Weib eingeführt hätte, ihr beibrachte, dass man sich ein wenig zurückhält und zumindest erkennt, wenn ein Mann keinen Hunger auf ihre Früchte verspürt.

...

 

-------------------------------------------------------

2008-2017 by Stefan Jahnke, alle Rechte, besonders das Recht auf
    Vervielfältigung, Veröffentlichung und Verbreitung, sind vorbehalten.

 

Hist. Romane - Alle Bücher - Autor - Verlag und Bestellung - Hintergründe - Rezensionen - Zurück